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Abgrenzung von Generalunternehmer- und Nutzerausbauten

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BCM: Abgrenzung von Generalunternehmer- und Nutzerausbauten

BCM: Abgrenzung von Generalunternehmer- und Nutzerausbauten

Betriebskritische Infrastrukturen im Bauprozess klar zuweisen, Übergaberisiken vermeiden, Resilienz sichern

Im Kontext von Neubau- oder Umnutzungsprojekten mit betriebskritischen Funktionen ist das Business Continuity Management (BCM) ein zentraler Bestandteil der Risikovorsorge. Dabei ist eine klare Abgrenzung zwischen dem Generalunternehmerausbau (GU) und dem Nutzerausbau entscheidend, um Verantwortlichkeiten, Funktionalitäten und Schutzmaßnahmen eindeutig zu definieren. Gerade bei BCM-relevanten Einrichtungen wie Serverräumen, Sicherheitszentralen, Leitständen, Lagerbereichen oder technischen Umschaltpunkten besteht ein hohes Risiko, dass Übergabepunkte unklar sind – mit Folgen für Betriebssicherheit, Wiederanlaufplanung und Auditfähigkeit.

Die Abgrenzung zwischen Generalunternehmer- und Nutzerausbau ist keine Formalie, sondern ein kritischer Erfolgsfaktor für die Resilienz von Gebäuden und Infrastrukturen. Nur wenn BCM-relevante Systeme und Räume frühzeitig identifiziert, baulich vorbereitet und organisatorisch klar übergeben werden, ist ein funktionssicherer und auditfähiger Betrieb gewährleistet. Das Facility Management ist dabei Bindeglied zwischen Projekt, Technik und Organisation – und trägt entscheidend dazu bei, dass BCM nicht ausfällt, wenn es gebraucht wird.

Zielsetzung der Abgrenzung im BCM-Kontext

  • Sicherstellung, dass BCM-relevante Flächen und Systeme funktionstüchtig und vollständig übergeben werden

  • Vermeidung von Betriebsunterbrechungen, Schnittstellenkonflikten und Nachrüstaufwand

  • Trennung von baulichen Grundanforderungen und betriebsspezifischen Sondermaßnahmen

  • Ermöglichung einer systematischen Wiederanlaufplanung

  • Einhaltung von Anforderungen aus ISO 22301, IKS, Betreiberpflichten und Notfallmanagement

Typische BCM-relevante Funktionsbereiche

Funktionsbereich

BCM-Relevanz

Server-/TK-Räume

Ausfallsicherheit für Daten, Kommunikation, IT-Prozesse

Sicherheitsleitstand / GLT

Steuerung kritischer Infrastrukturen, Alarmweiterleitung

Energieverteilung / USV

Versorgungssicherheit, Redundanz, Ausfallschutz

Zutritts- und Zugriffssysteme

Steuerung von Notzugängen, Eskalationen

Lager / Disposition / Versand

Fortführung versorgungsrelevanter Prozesse

Führungskräfte-/Krisenräume

Koordination, Kommunikation und Entscheidungsfähigkeit

Abgrenzung GU-Ausbau vs. Nutzerausbau bei BCM-Flächen

Thema / Komponente

GU-Ausbau (Standard)

Nutzerausbau (Betriebsspezifisch)

Raumhülle

Wände, Decken, Böden, Türen

Sicherheitsbeschichtung, EMV-Abschirmung, Einbruchschutz

TGA-Anschluss

Elektrogrundversorgung, Lüftung, Heizung

USV, Redundanzschaltungen, Notkühlung, 2. Netzpfad

Zutrittskontrolle / Sicherheit

Tür, Standardzylinder, ggf. Vorverkabelung

Zutrittssystem, Leser, Zutrittsmatrix, biometrische Lösungen

IT-Versorgung / Medien

Grundverkabelung, Trassenführung

aktive Komponenten, Firewall, Switches, TK-Systeme

Arbeitsplätze / Möbel / Technik

nicht enthalten

Krisenarbeitsplätze, Notstromanschlüsse, Lagebildsysteme

Monitoring / GLT-Anbindung

Standardschnittstelle, ggf. BMA/BKT

BCM-spezifische Meldelogik, Priorisierungen, Dashboard

Risiken durch fehlende Abgrenzung

  • Verzögerter Wiederanlauf im Störfall durch nicht fertiggestellte Technikräume

  • Zuständigkeitskonflikte bei Wartung, Inbetriebnahme oder Gewährleistung

  • Nachträgliche Umbauten mit hohem Aufwand, z. B. für Kühl- oder Sicherheitsnachrüstung

  • Fehlende Dokumentation oder Testlauf-Protokolle für BCM-Audits

  • Nichtkonforme Übergabe an Betreiber oder Facility Management

  • Unvollständige Integration in Alarmierungs-, Zutritts- oder Kommunikationssysteme

Technische und planerische Maßnahmen

  • Erstellung eines Abgrenzungsplans (Bau vs. Nutzung) nach LPH 3–5

  • Definition eines Anforderungskatalogs für BCM-Flächen (baulich, technisch, organisatorisch)

  • Schnittstellendokumentation: Kabelpfade, Übergabepunkte, Medien

  • Aufmaß, Protokollierung, Übergabechecklisten

  • Festlegung von Testlaufverpflichtungen (z. B. Notstrom, Brandfall)

Organisatorische Klarstellungen

  • Verantwortlichkeitsmatrix für GU, Nutzer, FM, IT, Sicherheit

  • Vertragsklarheit bei Sonderausbauten, Anschlusskosten, Integrationspflichten

  • Einbindung von BCM-Verantwortlichen und FM in die Bauabstimmungen und Abnahmen

  • Übergabe der betriebsfertigen Fläche nicht vor erfolgreichem Funktionstest

Rolle des Facility Managements

  • Koordination der baulichen, technischen und betrieblichen Anforderungen

  • Prüfung auf Wartungs- und Prüfzugänglichkeit für alle BCM-relevanten Komponenten

  • Integration in CAFM (Räume, Technik, Verträge, Wartung, Meldestrukturen)

  • Vorbereitung der Übergabe an den Betrieb mit vollständigem Anlagenprofil

  • Unterstützung bei BCM-Testläufen und Wiederanlaufdokumentation